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Für alle, die wissen wollen, wie eine perfekte Flop-Überquerung aussieht, hier ein Video. Mike Boswell 2m32, um 8cm überflogen. Latte im Blick trotz Kopf im Nacken! Volle Brücke UND volle Rotation, daher Beine ohne Probleme (Kein Holen, kein Klappmesser!)
Einfach, genial und vorbildlich, stellt Boswell mit dieser Technik alles Abweichende klar in den Schatten. Biomechanisch gesehen geht es nicht besser.
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Thomas Zacharias
HOCH- UND WEITSPRUNG PERFEKT
Eigentlich sollte es nur ein normales Sportbuch werden. Ich war mit meinen Theorien beim Bundestrainer abgeblitzt und nun wollte ich mit der herrschenden Lehrmeinung ins Gericht gehen, zeigen wo sie irrt und ihr die ganze Wahrheit entgegenschleudern.
Aber die Entwicklung der Techniken und Rekorde, der Theorien und Methoden, ist Teil meines eigenen fehlerreichen Lernweges, meiner persönlichen Erfahrungen, Teil meiner Lebensgeschichte.
Ich wollte nicht nur belehren, mich als Experte behaupten. Ich wollte erzählen und aufklären. Sportwissenschaft im Plauderton präsentieren. Entwicklungen nachvollziehbar machen.
Und so ist dieses Buch sowohl ein Dokument vieljähriger Forschungsarbeit in Sachen Hochsprungtechnik geworden, mit einer Einführung in die Grundlagen der entsprechenden Bewegungslehre (Biomechanik und Motorik), eine Anleitung zum Umsetzung der Theorien in die Praxis für Trainer und Aktive, Studenten und Lehrer, als auch ein Bericht über die Erlebnisse als ambitionierter Leistungssportler, über den Wandel meiner Ansichten und Ideale, meiner Motivation, über den Sinn und Unsinn psychologischer Tricks und mentalen Trainings, und dank alledem ein umfassender Beleg für den hohen Bildungs-Wert, den der Sport im Leben der Menschen von heute haben kann.
In meiner Auffassung von Wissenschaftlichkeit bilden Theorie und Praxis eine dialektische Dynamik. Der Pabst kann über Sex keine wissenschaftlichen Erkenntnisse gewinnen. Und wer über Hochsprung redet oder gar Hochspringer anleiten will, ohne selber aktiver Hochspringer zu sein, nicht früher mal sondern heute, hier und jetzt, der hat mit seinem Denken und Sagen keinen Kontakt zur Wirklichkeit und ist für mich ein Scharlatan. Er kann sich nicht wirklich in den Aktiven hineinversetzen, bleibt oberflächlich und damit unweigerlich im Irrtum.
Also musste ich zum Schreiben dieses Buches selbst wieder Hochspringer werden. Ja ich wurde es mehr denn je zuvor, eigentlich jetzt erst richtig. Erstmals trainierte ich mit permanentem Video-Feedback. Und so erkannte ich als erstes, dass ich trotz drei Jahrzehnten Erfahrung und intensiver Studien, noch gar nichts konnte und wusste. Meine Erfolge waren technisch gesehen reiner Zufall. Und meine Misserfolge zwangsläufiges Resultat eklatanter Wissenslücken und falscher sensomotorischer Selbstwahrnehmung.

Hochsprunglabor auf der Gartenterasse
Diese Erfahrungen hatte ich Anfang der 90er Jahre schon als Golfer gemacht und war so dem biomechanischen Prinzip des richtigen Schlagens auf die Spur gekommen, wie ich es inzwischen in der Fachpresse (Golf!PRO) beschrieben habe und in der Golflehrer-Aus- und Fortbildung vortrage (siehe auch www.Golfforum.de).
Ich machte also ab Sommer 1995, wo ich „aus der kalten Hose“ mit 1m84 Dt. Seniorenmeister wurde, jede Woche einmal 30 bis 40 Übungssprünge und entsprechende Zweckgymnastik. Und so verbesserte ich als Abfallprodukt meiner theoretischen Arbeit mit 49 Jahren den Dt. Rekord für 45-jährige von 1m90 auf 1m96. Dann mit 50 Jahren den Hallenweltrekord von 1m87 auf 2m00 und den Freiluftweltrekord von 1m90 auf 1m98. Im Freien scheiterte ich ein Dutzend Mal hauchdünn an den erhofften 2m.
Das hat mich so gewurmt, dass ich mich erst einmal wieder für 8 Jahre dem Thema Golfsport gewidmet habe. Aber jetzt wo ich auf die 60 zugehe, mach ich noch mal ernst. Unlängst habe ich mir auf Lanzarote als 59-jähriger den Weltrekord M55 geholt und dabei mit 1m84 genau 40 Jahre nach dem ersten Mal meine eigene Körpergröße übersprungen.
Das Überspringen der Körpergrösse gilt unter Hochspringern als Kriterium, um sich überhaupt Hochspringer nennen zu dürfen. Ralph Sonn, Deutschlands Bester der 90er Jahre, hat dieses Unterfangen abgehakt. Er ist 2m groß und glaubt nicht, dass er das mit über 40 Jahren noch mal schafft, obwohl er als Bestleistung 2m39 stehen hat.
Um meine Alt-Herren-Rekorde richtig einzuordnen, seien noch ein paar Vergleichswerte erwähnt. Die jetzt über 40-jährigen Weltrekordler, Weltmeister und Olympiasieger schaffen kaum noch die 2m. Ihr M40-WR liegt bei 2m11 (James Barrineau, USA). Der M45-WR beträgt 2m, von mir bei einem Show- Springen inoffiziell überboten (2m02) und als 50-jährigem in der Halle egalisiert. Klar, die Zahl der Verrückten, die im Alter noch hoch hinaus wollen, wird immer kleiner. Aber davon lasse ich mir nicht den Spaß verderben. Und als Hinweis auf (nicht Beweis für) meine Fachkompetenz dient mein praktisches Können wohl allemal.
Hier ist eine gute Stelle, um zwei hilfreichen Wegbegleitern der letzten 10 Jahre für ihre entscheidende Unterstützung in Sachen Hochsprungtheorie meinen herzlichsten Dank und freundschaftlichste Verbundenheit auszusprechen: Uli GEISS (Herborn/Sinn) und Gunther RÖHM (Reutlingen).
Mehr fällt mir nicht ein, um zum Kauf meines Buches zu animieren. Es ist ein Sach-, Fach-, und Lesebuch für Experten als auch für all jene die gar keine werden wollen.
INHALT
Dieses Buch hat zwar einen Aufbau. Der wird aber erst ersichtlich, wenn man es durchliest.
Wer nur mal so rein schaut, um sich eilfertig ein Urteil zu bilden, wird zwangsläufig auf Stellen stoßen,die ihm falsch erscheinen, oder zumindest sehr unorthodox. Und dann könnte er geneigt sein, gleich alles abzulehnen.
Aber: Nur wer das Ganze kennt, versteht auch das Detail. Und hier steht kaum etwas drin, das er auch anderswo nachlesen könnte. Sonst hätte ich mir nicht die Mühe gemacht, es zu schreiben.
Das Feld HOCHSPRUNGTECHNIK hat keine Abschnitte und Kapitel. Alles hängt mit allem zusammen - wie die Teile eines Knobelwürfels. Und ich hätte auch zig andere Wege wählen können, um es vollständig abzutasten. Ich wollte vor allem vermeiden, daß Theorie und Praxis getrennt abgehandelt werden.
Biomechanik, Technik und Methodik werden also ständig in Bezug zueinander dargestellt.
Bitte lassen Sie sich das nicht entgehen.
Es gibt also nur eine Menge sinniger Zwischentitel - zum Pausemachen und zum Wiederfinden. Lassen Sie sich doch einfach führen.
Damit wir uns persönlich etwas näher kommen, erzähle ich am Anfang etwas von meinen Lehr- und Wanderjahren. Und auch sonst soll der Stoff nicht all zu trocken serviert werden. Schließlich ist Sport keine Arbeit. Also bitte: Haben Sie Spaß. Es kann der Aufbruch sein zu ungeahnten Erfolgen...
INHALTSVERZEICHNIS:
Einleitungen
InhaltMeine Wege und Irrwege
Am Anfang war die Suche
Lehrreiche Geschichte(n)
Physik - nein Danke!
Grundbegriffe der Mechanik
Rotationen
Energie, Kraft, Arbeit...
Schwerpunkt SCHWERPUNKT
Abra-Paräbola
Weitsprung-Tricks
(133 errechnete Flugwege)
Der Überquerungswert
Den KSP richtig verfehlen
Wozu Kurve?
Meine Pappen-Dummies
Schneller, höher, KNAPPER...
Zwischenlandung
Dynamik des Absprungs
Abspringen heißt UMLENKEN
Der dreibeinige Absprung
Vorteile Flop/Straddle
Das Dynamogramm
(Winkel, Geschwindigkeiten, Zeiten und Kräfte
bei verschiedenen Sprüngen)
Der praktische Nutzen
(Optimales Anlauf-Tempo)
Fetisch Anlauf/Tempo
Wieviel Kurve...?
Der Side-Step
Aller Anfang ist leicht
Wege ohne Ziel
Prioritäten beim Flop
beim Straddle
Die "Latte"
Methodik für Anfänger
Mit Intelligenz zur Perfektion
Bildserien Brumel/Zacharias
mit Kommentar
persönliche Grenzen
Training
Der Muskelkater-Test
Ohne VIDEO geht "nix"
Der Teufel im Detail
Die Taktik mit der Technik
Eine "Wunderheilung"
ILLUSTRATIONSBEISPIEL

VORWORT an die Kollegen:
Es erschreckt mich immer wieder, wie wenig sogar erfahrene Spitzenathleten und ihre Trainer von der Technik ihrer Disziplin verstehen. Daran hat sich in den 30 Jahren, die ich jetzt dabei bin, nichts geändert. Man ist nicht nur meilenweit von der Perfektion entfernt, man ist nicht einmal auf dem Weg dorthin. Dabei beträgt der Unterschied zwischen technisch gut und technisch perfekt beim Hochsprung mehr als 10 cm und beim Weitsprung bis zu einem halben Meter. Kann man sich da mit einer guten Technik zufriedengeben? Oder erst nach technischer Perfektion streben, wenn man mit dem Kraftzuwachs an seine Grenzen gestoßen ist? (Also wenn es zu spät ist...)
Am besten ist es also wohl, wenn man von Anfang an auf beiden Ebenen zielstrebig trainiert. Allerdings: Ohne zu wissen, was Perfektion ist, kann man sie nicht anstreben. Und ohne gewisse Kenntnisse der Bewegungslehre kann man sie nicht finden und nicht verstehen.
Diese Kenntnisse fehlen aber nicht nur den Sportlehrern und Trainern, den Übungsleitern und erst recht den Aktiven, sondern leider auch den Autoren jener Bücher, auf die sich die herrschende Lehrmeinung beruft.
Den Praktikern fehlt das theoretische Fundament. Und den Theoretikern fehlt die praktische Erfahrung. Ja - manchen Fachautoren fehlt sogar beides. Und so gibt es weltweit viele gute Hochspringer und Weitspringer, aber nur wenige perfekte. Da die Fachwelt aber die Unterschiede nicht erkennt, erhebt sie jeden zum Vorbild, der" durch seine bloße Leistung auffällt (besticht). Und das einzig perfekte daran ist das fachliche Chaos, - was wiederum keiner schlimm findet außer mir.
Ich bin Hochspringer aus Leidenschaft. Obwohl ich mich nie um Kraftzuwachs bemüht habe und deshalb ein "Lahmarsch" geblieben bin, habe ich meine 1,84 m Körpergröße um 38 cm übersprungen. Ich habe mich lieber mit den Gesetzen der Biomechanik vertraut gemacht und in hunderttausenden von Sprüngen nach technischer Perfektion gestrebt. Und was ich dabei gelernt habe, will ich hier berichten.
Das geht allerdings nicht, ohne auch ab und an scharf gegen die z.Zt. gängige Lehrmeinung zu argumentieren.
Nehmen Sie das aber nicht zu ernst, sonst vergeht Ihnen vielleicht der Spaß...
Einige Text-Passagen habe ich in kursiv gesetzt, weil ich mir vorstellen kann, daß es vielen Lesern dann doch zu "abgehoben", zu theoretisch erscheint, nicht gar so unerläßlich, um das Wesentliche zu begreifen. Die Rechnerei, die Tabellen, Diagramme. Blättern Sie getrost weiter. Nur: Wenn Sie Zweifel haben, oder gar überzeugt sind, daß meine Ausführungen irrig sind, dann können Sie ja wieder zurückblättern.
Der fließende Text auf den Seiten ohne Rand bildet den Roten Faden. Die umrandeten Seiten sind Fenster zur Veranschaulichung oder Vertiefung der Themen. Die richtige Textstelle zum "Aus-dem-Fenster-Schauen" ist mit einem © markiert.
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Die folgende Bilderserie zeigt meinen M60 Weltrekord-Sprung auf 1.79m am 14. April 2007 in Arrecife auf Lanzarote. Zu jedem Foto erhalten Sie weiter unten eine Kurzbeschreibung der Technik.
WAS ICH DAZU SO ALLES LERNEN MUSSTE:
1.) Schon seit dem drittletzten Schritt sinkt der KSP. Die Vorlage nimmt ab.
Der linke Fuß bleibt lange am Boden („kleben“), um einen langen, raumgreifenden
(„Impuls-„)Schritt machen zu können.
2.) Der rechte Fuß greift weit nach vorne, um Zeit und Weg für ein sanftes
aber entschlossenes Absenken des KSP zu gewinnen. (Schrittlänge ca. 1,75m).
Beide Arme greifen energisch nach vorne und diktieren damit den Rhythmus.
Trotzdem richtet sich der Rumpf bis in die Senkrechte auf.
Die Brust ist nach rechts geöffnet, um einer seitlichen Hinwendung zur Latte entgegenzuwirken. Der rechte Fuß greift nach rechts, u.a. um ein
spontanes Abkürzen zur Latte hin zu vermeiden.
Hier herrscht die höchste horizontale Anlaufgeschwindigkeit von ca. 4m/s.
3.) Über dem rechten Fuß am Boden erreicht der KSP seinen tiefsten Punkt.
(Normalhöhe ca. 123cm, jetzt ca. 108cm.)
Durch das Nach-Rechts-Setzen des Fußes entsteht eine leichte Kurve, sodass
der ganz Körper etwas nach links kippt. Damit beginnt bereits die Einleitung
der Rotation, deren Achse annähernd Parallel zur Latte liegen wird, also parallel
zur Körpertiefenachse, der „Bauchnabelachse“. Tempo hier noch ca. 3,7m/s
Von hier aus steigt der KSP ununterbrochen zunehmend bis zum Abheben.
4.) Die parallele Armbewegung führt nicht ruckartig vor und zurück sondern
ist kreisend. Trotzdem ist sie hochgradig aktiv. „Rabiat“.
Nicht die Arme werden mitgenommen, sondern sie sind es,
die den Körper mitnehmen, ja mitreißen.
Die Rücklage entsteht spontan und erfahrungsgesteuert.
Sie sieht stärker aus als sie ist, weil jetzt die rechte Hüfte entschlossen
nach vorne geschoben wird. Dies dient dazu, auf ihrer Vorderseite
die Vorspannung für die Beschleunigung des Schwungbeines aufzubauen.
Der KSP steigt von unten in den Absprung (um ca. 17° zur Waagerechten),
was zu einer großen Entlastung der Sprungmuskulatur führt.
(Anfänger und schlecht geschulte Springer fallen mit 5 bis 10° in den Absprung
hinein, wodurch das Sprungbein massiv und kontratechnisch überlastet wird.
Sie haben dabei das Gefühl, sich riesig angestrengt zu haben, streben dieses
Gefühl auch immer wieder an. Aber sie zerbremsen dabei nur das Anlauftempo,
nutzen ihre Sprungkraft nicht und werden sich bald an Knie oder Knöchel verletzten.)
Der Umlenkwinkel wird bei richtigem Verhalten also offener (hier ca. 137°).
Der Absprung wird dadurch fühlbar und messbar leichter.
Dazu muss der letzte Schritt extrem kurz sein. Hier ca. 145cm.
(Bei langem letzten Schritt und ohne vorheriges Absenken
kann der Umlenkwinkel bis zu 110° spitz sein.)
Bis zum Abflug muss eine Wendung der Brust zur Latte vermieden werden,
weil die so entstehende Drehung um die senkrechte Längsachse eine falsche
Flugrotation mit fatalen Folgen erzeugen würde.
5.) Arme und Schwungbein werden mit aller Macht hochgeschleudert.
Das führt zunächst zu einer höheren Belastung der Sprungmuskulatur,
in der Streckphase aber zu einer entsprechend schnelleren Entlastung.
Durch die BElastung wird die Muskulatur vorgespannt, sie lädt sich auf,
so als gelte es, eine höhere Anlaufgeschwindigkeit zu assimilieren.
Der Streckreflex (Muskelspindeln) wird also verstärkt.
Und durch die höhere Vorspannung und die davonfliegenden
Schwung-Elemente entsteht eine größere ENTlastung;
die Streckung wird viel leichter, also schneller.
Der Körper ist dank der Schwung-Elemente beim Abflug nicht nur
ca. 20kg leichter, diese Teilmassen ziehen ihn sogar nach oben.
Das Schwungbein zieht am Becken und
die Arme an den Schultern, also am Rumpf. Und zwar ruckartig.
Dank der Schwung-Elemente kann langsamer angelaufen werden.
Und dank langsameren Anlaufs ist die Kontaktzeit am Boden länger, also
der Kraftaufwand, die Belastung der Sprungmuskeln in der Spitze geringer.
Dies wiederum ermöglicht steileres Abfliegen, also noch mehr Höhengewinn.
In diesem Winkelbereich (50-65°) bedeutet
ein Grad steiler ca. 2cm mehr Höhengewinn.
All das ist keine graue Theorie, Wenn ich es nicht wüsste und es nicht
in die Praxis umsetzte, hätte ich im Leben nie 2m geschafft.
6.) Beim Abflug ist der KSP ca. 140cm hoch, weil die Schwung-Elemente
ihn dorthin verlagert haben. Bis zum Gipfel von ca. 185cm sind es also
nur ca. 45cm Flughöhe. Bei einem Abflugwinkel von ca. 60° entstehen
eine Flugweite von ca. 100cm und eine Flugzeit von 0,61s.
Das Abflugtempo betrüge, wenn alle anderen Daten genau stimmten, 3,42m/s.
Ohne ausgeprägte Schwungelemente können größere ABFLUGgeschwindig-
keiten nur durch höhere ANLAUFgeschwindigkeiten erzielt werden.
Dadurch aber verkürzt sich die Kontaktzeit immer weiter.
Und dies bedeutet höhere Anforderungen an die Muskelkraft.
Meine Kontaktzeit beträgt hier 0,25s. Flopper haben nur 0,14 bis 0,20s.
(siehe Vergleich)
Der linke Arm tut alles, um eine Wendung der Brust zur Latte zu vermeiden.
Der rechte Arm greift dagegen möglichst bald und entschlossen
vor-seitwärts über die Latte.
Die Flugrotation entsteht durch ein seitlich vorwärts gerichtetes Kippen.
Man könnte auch sagen: Die rechte Schulter kippt über die linke.
Und der Rumpf kippt als ganzes etwas nach vorn.
Dasselbe gilt für das Becken.
Es darf dem exzentrischen Zug des Schwungbeines nicht nachgeben.
Sonst verpufft seine Wirkung in einer fehlerhaften Rotation, anstatt
dem Auftrieb zu dienen. Das Becken muss ebenfalls nach links kippen.
Aus der Perspektive quer zur Laufrichtung sind Rücken und linke Pobacke
deshalb nicht zu sehen.
Die Streckung des Sprungbeines ist ein Reflex auf die Kompression und
eine Folge der bloßen Absicht, hochzuspringen. Sie braucht nicht bewusst
ausgeführt zu werden.
7.) Erst oben, ja von oben, wendet sich die Brust der Latte zu.
Durch das aktive Hinabgreifen des rechten Armes wird zunächst die Rotation
der Schulterachse forciert, wodurch die Beckenachse langsamer dreht.
(Zwei Schein-Rotationen dank actio-reactio).
Der KSP erreicht hier die Lattenhöhe. Der Gipfel wird bei ca. + 6 cm liegen.
Geht man von 3 cm Höhenfreiheit aus, wären 1,82 m möglich gewesen,
was einem Überquerungswert von +3 entspricht. (Dies erreichen auch im Flop
nur die Besten.)
Dank richtiger Rotation taucht der Rumpf, und das Becken steigt weiter.
8) Der KSP hat wieder die Lattenhöhe erreicht. Dadurch dass der rechte Arm
hoch und zurückgeführt wird, verlangsamt die Rotation im Rumpf und dafür
wird sie im Becken schneller (Umkehrung der Schein-Rotation).
Die Brust zeigt also nach unten. Linke Hüfte und Bein steigen.
9.) Bei korrekter Durchführung würden die Beine eine Art Froschhaltung
einnehmen: Knie und Hüften gebeugt, Knie gespreizt, Fußspitzen angezogen.
Das Schwungbein würde gebeugt tauchen, das Sprungbein früher steigen.
Dies gelingt mir zur Zeit nicht, weil ich zu viele andere Baustellen bedienen
muss. So sieht man hier ein eher isoliert geführtes Nachziehbein, welches
etwas zu spät steigt, aber doch mit deutlichem Abstand überquert.
Der Mangel hängt auch mit dem Schwungbein zusammen, welches
nicht mehr so frei um die Hüfte pendelt wie früher und daher oft
zu früh und zu knapp überquert.
Mit dem Blick habe ich das ganze Geschehen jederzeit unter Kontrolle.
10.) An der Landung erkennt man nochmals die Flugrotation. Es war eine halbe
Schrägrolle vorwärts.
FLOP/STRADDLE-VERGLEICH
Den Flop/Straddle-Disput neu beleben
Die gleichen Geister, die Dick Fosbury ausgelacht haben, bevor er Olympiasieger wurde, lachen seitdem die Straddleverfechter aus. Ihr einziges Argument, fern jeder Wissenschaftlichkeit: Der Straddle ist faktisch ausgestorben. Dafür haben diese Geister aber selbst gesorgt, indem sie ihn in der Öffentlichkeit totgesagt und in der Fachwelt ausgemerzt haben. Nun stagnieren die Rekorde seit 15 bis 20 Jahren und der Hochsprung ist langweilig geworden. Eine Wiederbelebung der Konkurrenz zweier Techniken könnte dem Thema neuen Reiz verleihen.
Dazu müsste die Fachwelt allerdings den alten, verfilzten Zopf abschneiden, der Flop sei dem Straddle biomechanisch überlegen. Hier wird mal wieder das Gegenteil bewiesen.
Mein sogar in LA-Kreisen berühmt gewordener Disput mit Manfred Letzelter
im Golfforum.de ist leider nie über die Polemik hinausgekommen. Das lag daran
dass ich zwar Letzelters großartiges Buch zur Golfschlagtechnik durchstudiert
hatte, aber er sich nicht dazu herablassen wollte, meine Golfartikel und mein
Buch zur Hochsprungtechnik zu lesen. Also fehlte ihm für eine sachliche Diskussion die Basis. Für meinen Teil und in Bezug auf das Thema Hochsprung hier also mal ein sachlicher, ja tatsachlicher Beitrag.
Er zeigt auf, dass ein Sprung über 1m82 im Flop
bis zu 67% mehr Kraft erfordert als im Straddle.
1997 bin ich als 50-jähriger ohne professionelles Training, ohne Kraftarbeit
und Zweckgymnastik, ohne Coach und Physiotherapeuten, ohne
„Nahrungsergänzungsmittel“ und den Adrenalin-Kick eines vollbesetzten Stadions, ja und ganz ohne den hochgelobten Fosbury-Flop so hoch gesprungen
wie die damalige Weltmeisterin (2m).
Nach 20 Jahren Pause waren dafür gerade einmal 20 Monate lang ein Mal pro
Woche 40 Übungs-Sprünge nötig. Und ich tat dies nur, um mein Wissen zu
vervollständigen, es zu prüfen und gegebenenfalls zu untermauern oder zu
verwerfen. Die 21 Senioren-Weltrekorde waren also nur ein lustiges
Abfallprodukt dieser Forschungsarbeit.
Was ich dafür und dabei so alles einüben musste, steht hier.
Und von der dabei bestätigten Theorie möcht gern was weitergeben.
Ich will hier mal nur die Absprungdynamik betrachten. Deshalb setze ich
den Überquerungswert für Flop und Straddle einfach mal bei +3cm gleich.
Dass dies sachlich vertretbar ist, wurde nachgewiesen.
Und die wirklich informierte Fachwelt hat damit auch kein Problem.
Da meine 1m79 (Video) 3cm zu hoch waren (Gipfel bei 185cm),
wären also in beiden Techniken 1m82 zu schaffen gewesen.
Durch die unbestritten höhere Anlaufgeschwindigkeit ist die Absprungzeit,
also die Zeit, in der der KSP den Stützweg zurücklegt, beim Flop kürzer.
als beim Straddle. Der Flopper muss also einen größeren Impuls
(Masse x Anlauftempo) in kürzerer Zeit umlenken.
Und dies hat (gleiche Beugewinkeln wie beim Straddle vorausgesetzt)
ganz im Gegensatz zur herrschenden Lehrmeinung, beim Flop eine
höhere Anforderung an die Muskelkraft zur Folge als beim Straddle.
Was dies im Einzelnen bedeutet? Der Leser mache sich
auf eine sensationelle Bereicherung seines Fachwissens gefasst.
Vergleichen wir also meinen Sprung mit dem einer guten Flopspringerin
von meiner Statur und Gewicht. Sie hat
- ihren KSP beim Abflug bei ca. 130cm (Ich bei ca. 140cm. Ich muss also,
dank ausgeprägter Schwungelemente gleich mal 10 cm weniger hoch springen).
- Sie hat einen Abflugwinkel von 50°(ich 60°, also 10° steiler),
(Der für die Kraft mitentscheidende Umlenkwinkel bleibt ungefähr gleich,
da sie zwar nicht so stark wie ich von unten in den Absprung steigt, dafür
aber auch 10° flacher abfliegt.)
- Sie braucht für ihre 55cm Flughöhe und 50° Abflugwinkel
ein Abflugtempo von 4,30m/s, ich nur 3,42m/s
(also 26% mehr als ich für meine 45cm bei 60°).
(All diese Werte sind errechnet oder mit einer Fehlerspanne von ca. 5%
zuverlässig gemessen. Wie man das macht, steht in meinem Buch.
Und wer es nicht lernen will, der kann nur mitreden, indem er ungeprüft
nachplappert was er irgendwo gehört oder gelesen hat.)
Beim Absprung gehen dem Könner max. 15% Anlauftempo verloren.
(Schlechte Techniker verlieren bis zu 30%, indem sie einen verheerenden
Bremsstoß einbauen)
Beträgt also die ANLAUFgeschwindigkeit 15% mehr
als die ABFLUGgeschwindigkeit, dann herrscht während der Stützzeit
ungefähr ein Durchschnittstempo von Abflugtempo + 7,5%.
Das sind für die Flopperin 4,62m/s, für mich 3,67m/s.
Ich lege also meinen Stützweg von ca. 93cm in 0,253s zurück.
Sie den ihren von annähernd. 85cm in 0,184s (das sind -27%).
Die Flopperin muss also
in 27% weniger Zeit 26% mehr Anlauftempo umlenken.
Das sieht nach einer Mehrbelastung des Muskelapparates von ca. 50% aus,
wäre aber falsch gerechnet. Der Unterschied ist noch viel gravierender.
Nehmen wir für beide meine 77kg als Masse an, so habe ich
einen Durchschnittsimpuls von
(Masse x Geschw.) 77kg x 3,73m/s = 283kgm/s
die Kollegin 77kg x 4,62m/s = 356kgm/s. (also + 26%)
Aber: Diese Impulse in einem bestimmten Winkel umzulenken,
erfordert eine Kraft, die von der Stützzeit abhängt. Daher (Impuls/Zeit):
Straddler: 283kgm/s : 0,253s = 1.134 kgm/s²
Flopperin: 356kgm/s : 0,184s = 1.935 kgm/s². Das sind +67%
Druckplatten-Tests bestätigen diese Berechnungen.
Nehmen wir der flotten Flopperin meine Speckrollen und überflüssigen
Muskelmassen weg, so wiegt sie nur noch 67kg.
Ihr Impuls wäre 67kg x 4,62m/s = 309kgm/s
Und die für sie nötige Kraft wäre mit 1.679kgm/s² immer noch
um 48% größer als die, die ich brauche.
Geben wir ihr bei gleicher Masse von 77kg meine ausgeprägten Schwung-
Elemente, um ihre Abflughöhe der meinen anzugleichen, dann braucht sie
wegen ihrer 50° Abflugwinkel immer noch 3,87m/s Abflugtempo,
also 4,16m/s Stütztempo, also 0,204s Stützzeit und hat daher einen Impuls
von 320kgm/s, welchen umzulenken eine Kraft von 1.576kgm/s² erfordert.
Das sind auch immer noch 39% mehr als ich.
Erst wenn sie die Schwungelemente auch dynamisch einsetzt und dadurch
den Anlauf langsamer, den Abflug steiler und die Stützzeit länger gestaltet,
kann sie annähernd gleichziehen.
Allerdings muss sie für ihre Überquerung einen größeren Kraftanteil ab-
zweigen, weil das erforderliche Drehmoment für einen fast gestreckten Salto
größer ist als für eine gehockte Schrägrolle oder eine Schrägschraube.
Die seitliche „Aufricht-Energie“, die von der Fachwelt immer beschworen wird,
ist keineswegs ein wundersames Geschenk der Physik. Die Kurvenneigung
beim Flop entspricht nämlich genau der größeren Rückneigung beim Straddle.
Bei beiden bewirkt also das Aufrichten die Rotation.
Und ob sie mit ihrem Hohlkreuz und hervorstehendem Po wirklich
knapper überqueren kann als ich gehockt, mit eingezogenem Bauch und
mit (durch geschickte Scheinrotationen) minimiertem Drehimpuls,
bleibt für den Außenstehenden natürlich zu klären.
Mit der mir zur Verfügung stehenden Kraft (1.134kgm/s²) kann ich im Flop
nur 1m55 überqueren, denn ich kann in 0,2s nur 227 kgm/s umlenken, also
nur 2,95m/s Stütztempo verarbeiten, also nur 2,74m/s Abflugtempo erreichen,
also bei 50° Abflugwinkel nur 25cm hoch und 80cm weit fliegen.
Der Flop ist seit 15-20 Jahren am Ende. Er ist eine Sackgasse, weil die
Anlaufgeschwindigkeit nicht weiter gesteigert werden kann. Und zwar
weil die Stützzeit dadurch zu kurz für einen entsprechenden Kraftstoß würde.
Deshalb fliegen viele Flopper mit schnellerem Anlauf flacher ab, und
kommen so nur weiter aber nicht höher.
Die Zukunft liegt also in der Nutzung von Technik-Elementen, die bei
geringerer Anlaufgeschwindigkeit die Stützzeit verlängern. Das können nur
gestrecktes Schwungbein und Doppelarmschwung bewerkstelligen.
Diese sorgen auch dafür, dass die Abflughöhe steigt, also die nötige
Netto-Flughöhe verringert wird.
Und all dies ist eben in der Vorwärtsbewegung und bei einer halben Flugrolle seit-vorwärts (Straddle) leichter auszuführen und besser zu nutzen, als
bei einem gestreckten oder überstreckten Seit-Rückwärts-Salto (Flop).
Beide Techniken erfordern eine gymnastische Vorbereitung und eine technische
Schulung, die mit viel Disziplin verbunden sind. Und einen Trainer mit
entsprechendem Wissen und Können. Ich hatte gleich 3 davon.
Warum heißen die aktuellen Weltrekordler nun aber nicht seit 30 Jahren
Ackermann und Beilschmidt? Ganz einfach weil ihre Techniken zu viele
meiner Kriterien nicht erfüllten. Katastrophal waren:
Tempo, Rhythmus, letzter Schritt, Umlenkwinkel, Armschwung,
Schwungbeinhüfte, Rotationsrichtung und Überquerungsverhalten.
So könnte ich bestenfalls 1m65 springen.
Verständlich, dass ich angesichts der phänomenalen Sprungleistungen der
Weltspitze, und ihrer mangelhaften Technik, wie ich sie bei Floppern wie
Straddlern aus nächster Nähe erlebt habe, daran glaube, dass man weit über
2m50 schaffen müsste.
Irgendwann kommt ein Verrückter wie Fosbury und wird im Straddle
Olympiasieger. Und dann geht es vielleicht wieder aufwärts.
Es würde mich freuen, wenn jemand käme, mir das Gegenteil zu beweisen.
Das würde mich wenigstens von meinem Galileo-Syndrom befreien.
Das würde allerdings nichts an der Tatsache ändern, dass viele Hochsprungtalente verkümmern, weil sie anatomisch und physiologisch für den Flop ungeeignet sind und ihnen die Alternative Straddle nicht angeboten wird. Trainer und Pädagogen sollten sich neu informieren, beide Techniken lehren und Technik-Wettbewerbe veranstalten. (Wobei auch Schere und Hocke als vollwertige Techniken anerkannt werden können. Schließlich sind sie die Basis-Übung für jede Weiterentwicklung.)
Als erstes müssten dazu die zwei Märchen aus der Welt geschafft werden, der Flop sei dem Straddle biomechanisch überlegen und leichter zu erlernen. Beides ist nämlich nicht wahr. Die meisten Schüler lernen den Flop ja gar nicht richtig, Sie kommen über die Klobombe nicht hinaus, weil sie nicht die richtige Rotation erzeugen, sich beim Rückwärtsfliegen nicht wohl fühlen und im Fluge den Körper nicht strecken können. Ihr ganzes Grundmuster ist nicht rücklings sondern vorlings orientiert. Sie wollen sich bücken oder hocken, vorwärts rotieren und das Schwungbein einsetzen, nicht rückwärts überstrecken und im Blindflug auf dem Genick landen. Sie wollen langsam anlaufen und ihre Geschicklichkeit nutzen. Sie haben ein Recht auf Straddle. Mehr
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Weitere Informationen auf www.hochsprung-technik.de
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